Wenn der Chef die Fassung verliert

Warum Selbstregulation zur Führungskompetenz wird.


(Das Interview für newworkpraxis.de führte Jörg Maire)


Von Führungskräften wird erwartet, auch unter Druck souverän zu bleiben. Was passiert tatsächlich mit unserer Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit, wenn eine Situation emotional eskaliert?


Okay, vielen Dank für diese sehr gute Frage, auf die ich etwas weiter ausholen möchte.


Auf Führungskräften lastet heutzutage der immense Erwartungsdruck, Unmögliches in kürzester Zeit und meist ohne ausreichende Ressourcen vollbringen zu müssen.

Wer sich beispielsweise für Fußball interessiert, wird im Zuge von Trainerwechseln beobachten können (analog zum Führungswechsel in Unternehmen), wie der neue „Heilsbringer“ zunächst unglaublich gehypt wird und gleißend hell strahlt, um dann in Folge der zunehmenden Reibungshitze und des Dauerbeschusses von allen Seiten wie ein Phönix am Firmament schnell wieder zu verglühen und zu scheitern.


Es gibt in Unternehmen kaum eine andere Population als die der Führungskräfte, die in ihren jeweiligen Sandwichpositionen wie Zitronen ausgepresst werden, die „alles schuld sind“, die alles können und wissen müssen und die selten ein angemessenes Dankeschön erhalten (damit meine ich nicht den monatlichen Gehaltsscheck) - weder von der Belegschaft noch von einer Managementebene. Wehe aber, sie erlauben sich in all diesem Wahnsinn mal einen einzigen schwachen Moment und offenbaren, wie es ihnen emotional gerade wirklich geht …

Dabei sind wir durch und durch emotionale (fühlende) Wesen und genau das ist unsere eigentliche Natur – und zwar evolutionär laut Wissenschaft seit circa 500 Millionen Jahren. Im Laufe dieser Zeit haben sich in allen Säugetieren (also auch in uns) geniale Überlebensmechanismen ausgebildet, die permanent unsere Welt im Innen und Außen scannen auf die einzig wichtige Frage: Bin ich sicher oder nicht?


Die Großhirnrinde jedoch, auf die wir Menschen so stolz sind und glauben, durch Intellekt und rationales Denken alles lösen zu können, steht uns erst seit erbärmlichen rund 200 Tausend Jahren zur Verfügung und hilft uns im Thema Selbstregulation so gut wie nicht. Wer hier hat es schon mal geschafft, sich aus einer Panikattacke “hinauszudenken“ … ;-)


Unsere jeweilige emotionale Situation, die begleitet ist durch einen entsprechenden Hormoncocktail, bestimmt mit großer Wucht darüber, wie wir und was wir überhaupt in unsere Welt wahrnehmen und ob wir kognitive Leistungsfähigkeit abrufen können oder eben nicht. Deshalb lautet ein zentrales Motto in meinem Coaching:


„Die Geschichte Deines Lebens/Deines Alltags

wird geschrieben durch den Zustand in Deinem Autonomen Nervensystem.“


Wenn eine Situation eskaliert, so beschreibt das meist eine negative emotionale Gemengelage, in der wir uns auf irgendeine Art bedroht – also nicht mehr sicher – fühlen. Eine solche Bedrohung kann sich auf materielle Gegebenheiten beziehen, wie Krieg, Unwetter, Krankheit, ein drohender Arbeitsplatzverlust o.ä., oder auf etwas Immaterielles, wie beispielsweise die Angst, alleine zu sein oder vor anderen sein Gesicht zu verlieren.


Wann immer wir eine Situation als gefährlich wahrnehmen, übernimmt unser Limbisches System (fühlendes Gehirn) das Regiment und aktiviert in Sekundenbruchteilen im Autonomen Nervensystem den Sympathikus als unser „Überlebenssystem der Mobilisierung“ (Kampf oder Flucht). Nun werden Unmengen der Stresshormone Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet, die über Stunden in unserem Blutkreislauf kursieren und währenddessen unterbricht der Thalamus die Verbindung zu unserem Neokortex. Sprich: Wir haben keinen wirklichen Zugriff mehr auf unser kognitives Denkvermögen und können entweder gar keine oder keine klugen Entscheidungen mehr treffen. Wir befinden uns in solchen Momenten in einem „Funktioniermodus“ und sehr engen Wahrnehmungstunnel, in dem es ausschließlich um reflexartige Überlebensreaktionen geht. Deshalb kommen Ihnen die besten Ideen auch immer erst im Nachhinein, wenn der Stress abgeklungen ist.


Und sollte eine Bedrohung (emotionale Eskalation) als so überwältigend erlebt werden, dass Flucht & Kampf nicht mehr ausreichend erscheinen, um die gefühlte Bedrohung zu überstehen, kommt unser ältester Nervensystemanteil, der Dorsale Vagus, ins Spiel. Dieser aktiviert die Überlebensstrategie Shutdown, Erstarrung, Totstellen. Es ist das evolutionäre „Überlebenssystem der Immobilisierung“, das Schutz durch Verschwinden und maximale Reduzierung des Energieverbrauchs leistet. Dabei kommt es zu einem sozialen Verbindungsabbruch und manche Menschen verabschieden sich sogar aus sich selbst, was man Dissoziation nennt, da sie die Situation anders nicht mehr ertragen können. Auch hier ist keine Entscheidungsfähigkeit mehr gegeben und der Tunnel ist nicht nur eng, sondern auch noch dunkel und schwarz.


Das Ganze geschieht blitzschnell unterhalb unserer Bewusstseinsschwelle und ist verknüpft mit höchstpersönlichen Prägungen, Erfahrung, Einstellungen und Glaubenssätzen. So sind die Reaktionen höchst individuell. Deshalb reagiert jeder Mensch anders auf Stress und emotionale Eskalation. Manche Menschen bleiben davon praktisch unberührt und deshalb in ihrer Wahrnehmung auch „weit“ und entscheidungsfähig – entweder aufgrund ihrer mitgebrachten Prägungen oder weil sie wirksame Resilienz- und Selbstregulationstechniken erlernt haben, wie ich sie meinen Klienten vermittle.


Lange Rede, kurzer Sinn: Führungskräfte und Menschen im Allgemeinen, die unter Druck entscheidungsfähig bleiben wollen, brauchen Zugriff auf Ihr evolutionäres „System der Sicherheit und Verbindung.“ Im Fachjargon nennt sich das im Autonomen Nervensystem der Ventrale Vagus.


Im Businesskontext wird heute ja gerne das Thema „Psychologische Sicherheit“ bemüht. Allerdings ist das in meinen Augen als Experte deutlich zu kurz interpretiert und gesprungen, weil niemand die wirklichen Zusammenhänge versteht. Hier braucht es noch einiges an Aufklärungsarbeit über die Zusammenhänge und Konsequenzen hinsichtlich einer sinnvollen Unternehmens-, Führungs- und Kommunikationskultur.



Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen Selbstbeherrschung und echter Selbstregulation? Kann eine Führungskraft nach außen vollkommen ruhig wirken und innerlich trotzdem längst nicht mehr klar führen?


Es braucht in der Tat einen geschulten Blick, um zu erkennen, was sich hinter einer scheinbar ruhigen Fassade wirklich abspielt. Wie der berühmte Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut und Philosoph Paul Watzlawick treffend sagte: „Wir können nicht nicht kommunizieren“ und so senden wir über verschiedenste Kanäle permanent Signale aus, wie es uns wirklich geht. Doch in unserer auf Äußerlichkeiten und soziale Anpassung getrimmten Welt, haben die meisten von uns verlernt, solche Signale zu decodieren.


In der Frage ist es bereits treffend angedeutet: Viele denken heutzutage, sich selbstbeherrscht zu verhalten, wäre professionell und seriös. Doch lügen wir uns in der Regel selbst in die Tasche und zahlen später einen hohen Preis für die Unterdrückung unserer wahren Emotionen. Sei es durch strategisch schlechte oder gar keine Entscheidungen, durch unnahbares oder gereiztes Führungsverhalten, Konflikte, Rückzug, destruktiven Aktionismus oder durch Ausbrennen Die durchs Autonome Nervensystem ausgelösten Reaktionen habe ich oben bereits skizziert.


Als Betroffener können Sie Ihre Selbstwahrnehmung entsprechend trainieren, um herauszufinden, wie geht es Ihnen eigentlich gerade wirklich und was brauchen Sie, um sich wohlzufühlen und leistungsfähig zu sein?


Als Beobachter müssen Sie auf jeden Fall genauer hinhören, hinsehen und vor allem hinfühlen und dann werden Sie es auch mitbekommen, ob Ihr Gegenüber angefüllt ist mit brodelnden Emotionen, die er versucht beherrscht unter Kontrolle zu behalten, oder ob er wirklich reguliert und ausgeglichen – also im Ventralen Vagus ist. Informationen über den wirklichen emotionalen Zustand erhalten Sie beispielsweise über die Körperhaltung, Bewegungsmuster, Physiognomie, Stimm- und Sprachmelodie (Prosodie), Atemfrequenz, Schluckrate, Mimik und Augenzugangshinweise, Ausdünstungen, Tiefenstruktur der Sprache, Sozialverhalten uvm. 

Natürlich ist es als Führungskraft keine sinnvolle Alternative, die Mitmenschen ungefiltert an Ihrer kompletten Gefühlswelt teilhaben zu lassen und persönliche Krisen oder emotionale Abgründe offen auszudrücken. Doch können Sie unabhängig Ihrer Vorgeschichte beispielsweise mit Unterstützung durch einen in professionellem Emotionsmanagement und Resilienztraining erfahrenen Coach lernen, sich im Alltag wirksam zu regulieren, um so der Mensch, der Ehepartner oder die Führungskraft zu sein, die Sie von Herzen sein wollen.



Welche Auswirkungen hat es auf ein Team, wenn Mitarbeiter nie genau wissen, wie ihre Führungskraft unter Stress reagieren wird?


Im Grund genommen ist das „die absolute Höchststrafe“ für ein Team, in dem jeder sich permanent bedroht und „nicht sicher“ fühlt. So strahlt die emotionale Grundeinstellung der Führungskraft entsprechend ins Team (vergleichbar wirkt dieser Mechanismus in Familien und Partnerschaften), das diese Stimmungen entsprechend spiegeln wird. Und auch hier werden bei aufmerksamer Betrachtung die beiden schon bekannten evolutionären Überlebensstrategien sichtbar werden: a) entweder über Konflikte, „jeder gegen jeden“, Widerstand und Grabenkriege, aktive Verweigerung („der/die kann mich mal“) = „System der Mobilisierung“ oder b) durch Rückzug, Stille, Schweigen, hohen Krankenstand, „jeder nur für sich“, passive Verweigerung („ohne mich“) = „System der Immobilisierung“.


Unsere jüngste evolutionäre Überlebensstrategie - und gerade in der heutigen Zeit auch wichtigste - nennt sich „System der Sicherheit und (sozialen) Verbindung“ (Ventraler Vagus). Dieser erstrebenswerte Modus braucht immer ein Klima der Sicherheit, um sich gegenseitig angstfrei zuzuwenden und in einer konstruktiven sozialen Interaktiven sein zu können. Nur hier sind gemeinsames Wachsen, Kreativität, Lösungsorientierung, Leistungsbereitschaft mit Spaß an der Arbeit und Gesundheit möglich. Nur hier haben wir - ob allein oder als Team - vollen Zugriff auf unsere Ressourcen. In der Polyvagal-Theorie nennt sich dieser Anteil und der daraus resultierende Modus deshalb auch „biologischer Imperativ“. Wir sind durch und durch soziale Wesen und brauchen nichts dringender, als das Gefühl der Zugehörigkeit, Wertschätzung, Anerkennung, wohlwollenden Verbindung und Sicherheit in der Begegnung von Mensch zu Mensch.


So gelten hier die Leitsätze:


(1) „Das Beste, was Dir passieren kann, ist ein anderer Mensch“


Wann immer wir uns respektvoll, zugewandt, liebevoll, fürsorglich und achtsam begegnen, können wir uns gegenseitig wunderbar „co-regulieren“.


(2) „Das Schlimmste, was Dir passieren kann, ist ein anderer Mensch“


Genauso kann beispielsweise ein unberechenbarer Chef oder ein Teammitglied voller negativer Emotionen alle anderen auf fatale Weise „co-dysregulieren“. Und Schuld sind dann immer die anderen …


Egal wie cool, professionell und unlesbar wir als Führungskraft vielleicht glauben zu sein, wir teilen unseren autonomen Zustand immer automatisch über vielfältige Kanäle mit unseren Mitmenschen – auch hier wieder unterhalb der Bewusstseinsschwelle – haben selbst überaus feine Antennen für derartige Stimmungen und reagieren in Sekundenbruchteilen entsprechend.


Insofern ist es für eine reife Führungskraft ein erklärtes Muss, eine gute Selbstwahrnehmung zu entwickeln, um sich selbst (und damit das Team) im Alltag gut regulieren zu können. Es ist in unserer heutigen Zeit allerdings kaum möglich immer vollständig reguliert zu sein, dieser Perfektionsanspruch ist deutlich zu hoch gesetzt. Doch können wirksame Selbstmanagementtechniken nichtsdestotrotz erlernt werden und als eigenverantwortliche Führungskraft sollten Sie sich aus der Bedeutung und Vorbildfunktion Ihrer Rolle heraus täglich fragen:


„Bin ich ausreichend reguliert, damit sich mein Team unter meiner Führung sicher fühlen und leistungsfähig sein kann?“



Konflikte, schlechte Geschäftszahlen, Kündigungen oder auch persönliche Schicksalsschläge lassen sich im Führungsalltag nicht vermeiden. Welche Situationen bringen selbst erfahrene Führungskräfte besonders schnell an ihre emotionalen Grenzen?


Das ist wieder ein sehr individuelles Geschehen und jeder von uns hat seinen persönlichen „Painpoint“, ab dem emotional „die Post abgeht“. Das macht es eben auch nicht so leicht, menschliches Verhalten generell zu prognostizieren.


Ich persönlich finde es beispielsweise bedrückend in Studien zu lesen, dass zwischen 60 – 80% (es gibt verschiedene Angaben) aller Führungskräfte mit Angst oder Befürchtungen zur Arbeit gehen. Mit Kenntnis des oben Gesagten zeigt das nicht nur ein immens großes brachliegendes, weil nicht wirklich abrufbares, Leistungspotenzial auf – es spiegelt auch unzählige Leidensgeschichten in einem nicht sehr rosigen Alltag vieler Führungskräfte wider, denen Sie es vielfach gar nicht ansehen werden (Menschen sind generell gute Verdränger und Schauspieler) und die „trotzdem“ alles tun werden, um einen super Job zu machen.

Generell leben wir aktuell ja scheinbar in einer Epoche der Konjunktureinbrüche, geopolitischen Krisen, medial hochstilisierten Klimakatastrophen, Pandemien & Co., die uns suggerieren, dass nichts mehr sicher und die Zukunftsperspektiven beängstigend sind. In 2026 sind psychische Erkrankungen in Deutschland erstmals die Hauptursache für Fehlzeiten am Arbeitsplatz mit Depressionen auf Platz 1. Experten sprechen mittlerweile von einer ausgewachsenen globalen Mental Health-Krise.


Als langjährig tätiger Coach, Therapeut und Achtsamkeitslehrer bin ich davon überzeugt, dass wenn Menschen sich zu sehr mit dem Außen, mit negativer medialer Berichterstattung, ihren beruflichen Rollen, materiellem Status und damit verknüpften Egospielchen identifizieren, sie nie auf sicherem Terrain und emotional zutiefst angreifbar sind.


Viele Führungskräfte und Manager haben ihr Leben um ein erreichtes Erfolgs- und Einkommenslevel herum aufgebaut. Dazu gehören teure und vielleicht noch nicht abbezahlte Immobilien, ebenso teure Autos, Luxusurlaube, kostspielige Hobbies, Kinder an ausländischen Unis und, und, und … Nicht selten gründet die komplette Identität und das Selbstbewusstsein auf diesen Äußerlichkeiten. So kann auch die Angst vor Gesichtsverlust ein schlimmer und zermürbender „Schmerz im Nacken“ sein. Was wird die Umwelt über mich denken, wenn ich all diese Themen nicht mehr bedienen kann und mal „kleinere Brötchen backen muss“? Insofern ist und war es nie ein echter Selbstwert, sondern immer ein erdachter und erhoffter Fremdwert – ich nenne es deshalb auch die „Fremdwertfalle“.


Um es an dieser Stelle klar zu sagen, es ist überhaupt nichts gegen viel Geld, Luxus und Materielles einzuwenden. Ich persönlich kann auch mit Geld glücklich sein ;-) Wenn sich daraus jedoch Abhängigkeiten kreieren und Sie gefühlt „viel zu verlieren haben“, schürt das in dieser Zeit die existenziellen Ängste und Sorgen und bringt Sie schneller an Ihre emotionalen Grenzen.


Wirkliche Sicherheit und echten Selbstwert können Sie meiner Überzeugung nach nur aus Ihrem Innern und einem übergeordneten Sinn schöpfen. Indem Sie wissen, wer Sie außerhalb aller Fassaden und Oberflächlichkeiten wirklich sind. Sie sind auf jeden Fall ein Kind Gottes und einmalig auf diesem Planeten. Es geht ums Sein und nicht ums Haben – und darum, sich nicht zu vergleichen, sondern sich selbst zu mögen (am besten sogar zu lieben) genau so, wie Sie jetzt gerade sind. Also unabhängig davon, was andere über Sie denken mögen. Das ist wahrer Selbstwert und eine regelrechte Superkraft.



In Ihren Beiträgen beschäftigen Sie auch mit dem autonomen Nervensystem. Was sollten Führungskräfte darüber wissen, ohne daraus gleich ein psychologisches Studium machen zu müssen?


Im Grunde erläutert dieser Artikel bereits die wichtigsten Wirkmechanismen im Autonomen Nervensystem. Das alles ist leicht erklärbare Biologie. Wer mehr erfahren möchte, sollte sich mit der Polyvagal-Theorie nach Professor Porges beschäftigen. Hierzu finden Interessierte vielfältige Informationen im Internet.


Ansonsten sind im Netz wie auch insbesondere über Youtube jede Menge Informationen und leicht anwendbare Übungen zur Vagus-Aktivierung verfügbar. Hier kann man sich schon sehr viel im Eigenstudium erschließen.


Falls die zugrunde liegenden Probleme und Herausforderungen jedoch schwerwiegender erscheinen und Sie keine wirklichen Fortschritte verzeichnen, gilt die Goldene Regel: „Du kannst Dich nicht selbst therapieren“. Wir sehen für uns selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht und brauchen im Grunde zwingend die Außenperspektive, wie beispielsweise durch Coaching oder Therapie, um die eigentlichen Stellschrauben identifizieren zu können. In diesem Fall: Seien Sie es sich wert!


Aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Begleitung von Menschen kann ich sagen, dass unsere Lebensqualität immer um ein Vielfaches steigerbar ist – egal an welchem Punkt Sie in diesem Moment stehen. Das Leben ist zu kurz, um dauerhaft unglücklich, unzufrieden und unerfüllt zu sein.



Was können Führungskräfte konkret trainieren, damit sie in einem emotional schwierigen Moment nicht erst hinterher feststellen: So wollte ich eigentlich überhaupt nicht reagieren?


Auch wenn im Einzelfall empfehlenswerte Herangehensweisen sehr individuell sind, erachte ich persönliche die regelmäßige, tägliche Selbstreflexion und liebevolle Innenschau für überaus hilfreich, um die Selbstwahrnehmung zu trainieren. Persönlich meditiere ich seit rund 30 Jahren jeden Morgen und jeden Abend für 15 Minuten. Für mich ist das eine der größten Kraftquellen in meinem Leben.


Routinen der Vorbereitung und deren Verstetigung (auch ohne Not) sind mit das Wichtigste, um in einer anspruchsvollen Sitaution überhaupt Zugriff auf irgendwelche Techniken und Methoden zu haben.


Hier kann beispielsweise ein morgendlicher Körperscan (z.B. noch im Bett liegend) zur Vorbereitung auf den Tag ein wohltuendes Ritual sein. Also von unten nach oben mit der Aufmerksamkeit durch Ihren Körper zu wandern und einfach wahrzunehmen, wie sich die Körperareale gerade anfühlen. In Stellen, die sich gerade nicht so angenehm anfühlen, können Sie „hineinatmen“ und gleichzeitig in einem inneren Bild dort Entspannung, Wärme und Licht hinfließen lassen. Es geht darum, sich für das Wahrgenommene nicht zu verurteilen, alles darf sein und alles gehört zum Menschsein, sondern wieder zu erkennen, was für ein Wunderwerk Ihr Körper als Gefäß und Vehikel für Ihr Bewusstsein - für Ihre Seele - eigentlich ist. So ist zum Beispiel auch Dankbarkeit eine Ihrer stärksten Ressourcen für Stabilität und Wohlbefinden.


Sie können dann mit einzelnen Körperstellen in einen achtsamen inneren Dialog eintreten und fragen: „Was möchtest Du mir mitteilen, was brauchst Du jetzt gerade von mir?“ Sie können es dann näher benennen: „Okay, es ist ein Schmerz, Stechen, Wärme, Kälte, spitz, dumpf, hell dunkel, unangenehm oder angenehm.“ Sie können dann fragen: „Welche Emotion ist gleichzeitig in mir? Ist es vielleicht Sorge, Ärger, Angst, Ekel, Wut, Trauer, Unsicherheit oder Freude? Okay, liebes Nervensystem, was möchtest Du mir mitteilen, wovor möchtest Du mich eigentlich schützen? Ist diese Sorge und die damit einhergehende Reaktion meines Körpers gerade wirklich erforderlich? Wie können wir die körperliche Reaktion und meine Emotion vielleicht gemeinsam etwas abmildern, so dass ich gleich motiviert und stabil in den Tag starten kann?“


Hier geht es darum, sich wieder besser fühlen zu lernen, einen guten Kontakt zu sich selbst herzustellen und auf der Sinnebene in ein Verständnis und eine Akzeptanz des Geschehens zu kommen. Das sind zentrale Grundlagen für jede funktionierende Selbstregulation.

Eine weitere leicht anwendbare und rasch wirkende Regulierungstechnik in anspruchsvollen Situationen ist die sogenannte Box-Atmung, die den parasympathischen Anteil (Vagus) Ihres Autonomen Nervensystems aktiviert. Die Atmung ist generell das direkteste und wirkungsvollste „Tool“, um regulierend auf Ihr Autonomes Nervensystem einzuwirken.


Die Darstellung und Beschreibung dieser bei den Navy Seals in hochbrisanten Situationen, in denen es meist um Leben und Tod geht, angewandten Technik finden Sie unten.


Üben Sie es regelmäßig und es können Wunder geschehen.




Das Interview wurde veröffentlicht auf newworkpraxis.de am 18.08.2026
(einfach auf das nachfolgende Foto
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